Ein Blatt

Von einem Ahorn, herbstlich rot
da löste sich ein Blatt,
den Sommer lang ein Patriot,
hatt‘ es das Hängen satt.

Es nahm den Wind als Flugobjekt,
erkundete das Land.
Der See, er war schon eisbedeckt,
das Feld im Kahlzustand.

Die Vogelschar gen Süden floh,
ein Drachen trotzt‘ dem Sturm,
die Wälder strahlten farbenfroh,
golden der Glockenturm.

Im Tal am Fluß stieg Nebel auf,
gespenstig und skurril.
Ein Sonnenstrahl zauberte drauf
fächerndes Schattenspiel.

Das Blatt flog weiter, doch schon bald
wurde der Himmel grau,
ein Wolkenband als Schreckgestalt,
dem Blättchen wurd‘ ganz flau.

Und wahrlich, als der Regen kam,
da sank es schwer wie Blei
zu Boden, welch ein Melodram,
kam jetzt der Tod herbei?

Doch gänzlich ohne Happy End,
soll die Ballad‘ nicht sein,
beim Wandern fand es ein Student,
und steckte es mit ein.

Im abendlichen Kerzenlicht
trocknete unser Held .
Und zierte bald ein Herbstgedicht,
die Brust vor Stolz geschwellt!