Gedichte Atmosphärische Erscheinungen

Zauberstab

Die Fee schwang ihren Zauberstab,
berührte meine Augen zart,
mir damit neues Sehen gab,
der weite Blick ist aufgeklart.

Ein Regenschauer zieht entlang
und in den Wassertröpfchen bricht
als heller bunter Farbenstrang
brillant das grelle Sonnenlicht.

Am Himmelszelt, ganz ohne Ziel
sich Fächerstrahlen breiten aus.
Es ist der Wolken Schattenspiel,
ganz wie in einem Geisterhaus.

Die Federwolken, blühend weiß
dämpfen markant den Sonnenschein,
erzeugen einen Halokreis,
an Eiskristallen, winzig klein.

Der Straße brennender Asphalt
gleicht der Oase in der Wüst
Scheinmeere bilden sich alsbald.
Die Fee Morgana damit grüßt.

Ein roter Schleier in der Nacht
am klaren Horizont gen Nord.
Polarlichter in voller Pracht,
sieht man selbst an diesem Ort!

Halt auch Du die Augen offen,
such stets Deine Umgebung ab,
dann kannst auch Du bald darauf hoffen,
dass DICH berührt der Zauberstab.

 


 

Alpenglühen

Ein letzter zarter Sonnenstrahl
Macht sich auf die Reise.
Die Täler sind schon grau und fahl,
Der Abend naht ganz leise.

Jedoch die Bergesspitzen glühn
Als wär dort Gold begraben.
Felsen tief in Rot erblühn,
Prächtig und erhaben.

 


 

Polarlicht 

Polarnacht
Dunkelheit
Kälte kracht
Polarlichtzeit

Ein blasses Band
Am Horizont
Mit silber’n Rand
Das Licht vom Mond?

Der Streif wird breiter
Glimmt bläulichgrün
Und da ein zweiter
Beginnt zu glühn!

Tanzende Lichter
Erleuchten die Nacht
Formen Gesichter
In Farbenpracht

Der Himmel brennt
Orange und blutrot
Wer’s nicht kennt,
glaubt, daß Unglück droht.

Pulsierende Flecken
Warnlichtern gleich
Und Girlanden erstrecken
Sich über’s Himmelsreich

Die ganze Nacht
Ist erfüllt von Licht
Bis der Tag erwacht
Und Dämmer anbricht.

 


 

Pollenkorona

Wenn Dich das Heu zum Schnupfen bringt,
und Fichtenpollen schweben,
dann kann es sein, daß es gelingt,
Koronen zu erleben.

Das Licht, gebeugt im Pollenstaub,
die Haarespracht von Klärchen.
Ein farbig Kranz umgibt ihr Haupt,
schau hin, das ist kein Märchen!

 


 

Brockengespenst

Dort droben auf dem hohen Berg
die dichten Nebel steigen.
Man sagt, dort trieben Teufelswerk
die Geister, die sich manchmal zeigen.

Die Sonne matt im Dunste glänzt,
in ihrem Licht, dem fahlen,
hebt schweigend sich ein grimm Gespenst
und reckt sich in den Strahlen.

Der Schemen auf der Nebelwand
zeigt sich mit drohender Gestalt.
Als Bote aus dem Geisterland
durchgleitet er den dichten Wald.

Auf seinem dunklen, finster’n Haupt
prangt eine bunte Krone.
Schon mancher sah’s, hat auch geglaubt,
dass ein Gespenst hier wohne.

Bald verschlucken Nebelschwaden
Sonne und das Schattenbild.
Ist’s zum Segen, ist’s zum Schaden,
was die Geister führ’n im Schild?


© Claudia Hinz. Eine Verwendung ist mit Namensnennung gestattet.